Die meisten Großmütter machen diesen einen Fehler mit ihren Enkeln – und merken es nie

Wenn Enkelkinder anfangen, sich gegenseitig zu beobachten – wer bekommt mehr Umarmungen, wer darf länger bleiben, wer wird öfter angerufen – dann steckt dahinter selten pure Bosheit. Hinter dieser Rivalität unter Enkeln verbirgt sich meistens ein tiefes Bedürfnis nach Bestätigung und Zugehörigkeit, das gerade im Jugendalter besonders stark brennt. Für Großmütter ist das eine echte Herausforderung: Sie wollen alle Enkelkinder gleich lieben, und trotzdem fühlt sich irgendjemand immer benachteiligt.

Warum Rivalität unter Enkeln bei Großeltern eskaliert

Rivalität unter Enkeln entsteht nicht im luftleeren Raum. Die Entwicklungspsychologin Judith Rich Harris beschreibt in ihrem Werk, wie Kinder und Jugendliche ständig nach sozialen Vergleichspunkten suchen – und Großeltern sind dabei ein besonders emotionaler Maßstab, weil sie für bedingungslose Liebe, Geborgenheit und Familienidentität stehen. Wenn ein Jugendlicher das Gefühl hat, dort weniger zu bekommen, trifft das tiefer als ein Streit mit Gleichaltrigen.

Hinzu kommt: Großeltern agieren oft unbewusst. Eine Großmutter verbringt vielleicht mehr Zeit mit dem Enkelkind, das geografisch näher wohnt – nicht aus Bevorzugung, sondern aus Logistik. Oder sie hat mit einem Enkel mehr gemeinsame Interessen, redet öfter über Bücher oder Kochen. Das andere Enkelkind registriert diese Asymmetrie trotzdem – und interpretiert sie als Signal: Ich bin weniger wert.

Der häufigste Fehler: Gleichmacherei als vermeintliche Lösung

Viele Großmütter reagieren auf Eifersucht mit dem Versuch, alles peinlich genau gleich zu verteilen: gleich viele Anrufe, gleich viele Geschenke, gleich viel Zeit. Das klingt fair – ist aber eine Falle.

Jugendliche spüren sofort, wenn Zuneigung mechanisch wird. Wenn die Großmutter anfängt, Beziehungen nach Strichliste zu führen, verlieren diese Beziehungen ihre Authentizität. Das Ergebnis: Beide Enkelkinder fühlen sich weniger gesehen, weil sie keine echte Verbindung mehr erleben – sondern eine verwaltete.

Die Psychologin Harriet Lerner betont, dass echte Nähe aus individueller Aufmerksamkeit entsteht, nicht aus gleichmäßiger Verteilung. Fairness bedeutet nicht, jeden gleich zu behandeln – sondern jeden so zu behandeln, wie er es braucht.

Was wirklich hilft: individuelle Beziehungen statt Gruppenbeziehung

Der entscheidende Perspektivwechsel liegt hier: Eine Großmutter hat keine einzelne Beziehung zu „den Enkeln“. Sie hat mehrere individuelle Beziehungen – eine zu jedem einzelnen Kind. Wenn sie diese Beziehungen bewusst pflegt, entsteht weniger Konkurrenz, weil jeder Jugendliche seinen eigenen, unverwechselbaren Platz hat.

Konkret bedeutet das:

  • Einzelzeit einplanen: Nicht immer alle Enkelkinder zusammen einladen. Gelegentlich gezielt mit einem Enkel Zeit verbringen – einen gemeinsamen Ausflug, ein Telefonat, das nur ihm gehört. Das ist keine Bevorzugung, sondern Beziehungspflege.
  • Stärken sehen und benennen: Jeder Jugendliche bringt andere Qualitäten mit. Die Großmutter kann aktiv darüber sprechen – nicht vergleichend, sondern anerkennend. „Du bist so kreativ im Basteln“ ist ein Satz, der keine Konkurrenz erzeugt, solange er nicht mit „dein Bruder dagegen…“ fortgesetzt wird.
  • Vertrauliche Gespräche ermöglichen: Gerade Jugendliche schätzen es, wenn sie sich einer Erwachsenen anvertrauen können, ohne dass alles sofort „an die große Glocke“ gehängt wird. Wenn die Großmutter ein verlässlicher Vertrauensraum für jeden Enkel ist, sinkt die Eifersucht von selbst – weil niemand mehr das Gefühl hat, kämpfen zu müssen.

Was tun, wenn die Rivalität offen ausbricht?

Manchmal kocht die Spannung über: Ein Enkel sagt direkt, er fühle sich benachteiligt, oder es gibt Streit in der Gegenwart der Großmutter. Hier ist Klarheit gefragt – keine Beschwichtigung.

Den Satz „Ich liebe euch beide gleich“ sollte man besser vermeiden. Er klingt reflexhaft und wird selten wirklich geglaubt. Hilfreicher ist es, das Gefühl ernst zu nehmen, ohne es sofort zu bestätigen oder zu entkräften. Ein Satz wie: „Ich höre, dass du dich gerade weniger gesehen fühlst – das tut mir leid. Lass uns darüber reden“ öffnet den Dialog, ohne den anderen Enkel zu beschuldigen oder die Großmutter in eine Verteidigungsposition zu drängen.

Die Familientherapeutin Virginia Satir beschreibt, wie wichtig es ist, Gefühle zu validieren, ohne sofort Lösungen anbieten zu wollen. Jugendliche brauchen zunächst das Gefühl, gehört zu werden – erst dann sind sie offen für einen Perspektivwechsel.

Wenn ein Enkel objektiv mehr Zuwendung bekommt

Es gibt Situationen, in denen eine Großmutter tatsächlich mehr Zeit mit einem Enkelkind verbringt – etwa weil es eine schwierige Phase durchmacht, die Eltern im Stress sind oder ein Enkel in einer Krise steckt. Das ist menschlich und oft notwendig.

In solchen Momenten hilft Transparenz mehr als Vertuschung. Natürlich in einem altersgerechten Rahmen: Die Großmutter muss keine medizinischen Details teilen, aber sie kann signalisieren: „Gerade braucht dein Cousin ein bisschen mehr Unterstützung von mir – das ändert nichts daran, was du mir bedeutest.“ Jugendliche können mit dieser Ehrlichkeit umgehen. Was sie nicht ertragen, ist das Gefühl, belogen oder ignoriert zu werden.

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Die Rolle der Eltern nicht unterschätzen

Ein oft übersehener Aspekt: Die Eifersucht zwischen Enkeln spiegelt manchmal auch Dynamiken wider, die in der Elterngeneration wurzeln. Wenn zwei Geschwister – also die Eltern der Enkelkinder – selbst eine komplizierte Beziehung haben, kann sich das auf die nächste Generation übertragen. Die Kinder führen dann unbewusst die Rivalität ihrer Eltern fort.

Die Großmutter kann in diesem Fall eine wichtige stabilisierende Rolle übernehmen, indem sie sich bewusst weigert, Koalitionen einzugehen. Sie spricht nicht schlecht über die eine Familie gegenüber der anderen, teilt keine internen Informationen und bleibt für alle zugänglich. Diese neutrale, aber liebevolle Haltung ist eine der wertvollsten, die Großeltern überhaupt einnehmen können – wie Monica McGoldrick beschreibt.

Dass eine Großmutter diese Dynamiken überhaupt wahrnimmt und nach Wegen sucht, damit umzugehen, sagt bereits viel aus: Die Beziehung zu ihren Enkeln bedeutet ihr wirklich etwas. Und genau dieses Engagement, diese Bereitschaft zur Reflexion, ist oft schon die halbe Antwort. Du musst nicht perfekt sein als Großmutter – du musst nur zeigen, dass dir jedes einzelne Enkelkind wirklich am Herzen liegt, auf seine ganz eigene Weise.

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